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Mein Tier ist krank – warum bekommt es kein Antibiotikum?

Viele Tierbesitzer fragen uns, warum Ihr Tier nicht immer gleich zu Beginn der Therapie ein Antibiotikum bekommt. Immerhin wollen sie, dass ihr Haustier schnellstmöglich wieder gesund wird.

Warum das so ist, was ein Antibiotikum eigentlich ist und wann man es einsetzten soll- und wann nicht, möchten wir mit diesem Artikel klären.

Was ist ein Antibiotikum überhaupt?

Antibiotika sind Medikamente, die bei von Bakterien verursachten Krankheiten eingesetzt werden. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlichster Antibiotika, die im Labor hergestellt oder durch bestimmte Mikroorganismen (Pilze oder Bakterien selbst) in Stoffwechselprozessen erzeugt werden. Diese teilen sich, nach ihrer Wirkung, in zwei Gruppen.

1. Gruppe

In dieser Gruppe befinden sich alle Antibiotika, welche die Bakterien in ihrer Vermehrung und im Wachstum hemmen. Sie wirken bakteriostatisch und sollten bei gutem Immunsystem angewendet werden, denn dieses hat die Aufgabe die gehemmten Bakterien zu eliminieren.

2. Gruppe

In dieser Gruppe befinden sie die Antibiotika, welche die Bakterien durch unterschiedliche Mechanismen selbst abtöten. Sie wirken bakterizid. Hierzu zählen auch die Breitband-Antibiotika.

Da sich die Bakterien in deren Aufbau und den Mechanismen im Körper unterscheiden, bedarf es einer großen Anzahl verschiedener Antibiotika, die auf mehreren Ebenen gegen diese Erreger arbeiten. Eine Breitband-Antibiose hilft gegen eine Vielzahl von Bakterien, jedoch nicht gegen alle. Manche Bakterien verstecken sich in den Zellen oder an Stellen im Körper, die für Antibiotika nicht erreichbar sind. Dann ist die Auswahl der richtigen Stoffgruppe und die Art der Eingabe, also ob es über den Körper wirken soll (systemisch) oder lokal durch Salben, besonders wichtig. Es ist auch wichtig, ob überhaupt Bakterien ursächlich für die Erkrankung sind. Denn gegen Viren und andere Erreger wirken Antibiotika nicht.

Wie wird eine bakterielle Beteiligung nachgewiesen?

Durch die gezielte Entnahme verschiedenster Proben, welche im Labor untersucht werden, können die unterschiedlichen Erreger nachgewiesen werden. Diese sogenannten bakteriologischen Untersuchungen sind oft notwendig, um den Erreger zu identifizieren und im Anschluss eines Antibiogramms die Auswahl des geeigneten Präparates zu treffen. Dieses Antibiogramm gibt Aufschluss über die Sensibilität oder Resistenz des Erregers gegenüber den verschiedenen Antibiotika.

Was sollte bei der Gabe bedacht werden?

Die Gabe eines Antibiotikums sollte immer nach dem Nutzen/Risiko Prinzip durchgeführt werden. Denn eine prophylaktische oder nicht notwendige Gabe erhöht nur das Risiko von Nebenwirkungen oder die Bildung von resistenten Bakterien.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

In der Regel werden Antibiotika gut vertragen. Dennoch kann es hin und wieder zu allergischen Reaktionen nach der Gabe kommen. Weiters unterscheiden diese Medikamente nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien, das bedeutet, dass auch die für den Körper notwendigen Bakterien, zum Beispiel die Darmflora, zum Teil eliminiert werden. So kann es zu Blähungen und Durchfällen kommen. Auch die Ansiedelung spezieller Pilze ist durch die Störung der „guten“ Bakterien möglich.

Manche Antibiotika wirken sich schädlich auf Organe, wie die Nieren, die Ohren, die Augen oder das Zentrale Nervensystem aus. Aus diesen Gründen muss der Einsatz mit Bedacht durchgeführt werden.

Petrischale mit Kultur aus Tupfer

Was sind resistente Bakterien?

Resistente Bakterien sind, wie der Begriff erahnen lässt, resistent gegenüber bestimmten Antibiotika. Das bedeutet, dass deren Widerstandsfähigkeit gegen diesen Stoff erhöht ist. Dies geschieht teilweise auf natürliche Art, durch Mutation ohne den Kontakt zu einem Medikament. Viel häufiger aber entstehen Resistenzen aufgrund des falschen Einsatzes von Antibiotika und der darauffolgenden Mutation und Weitergabe dieser Mechanismen unter den Bakterien.

Darunter versteht man:

– prophylaktische Gabe
die Gabe von Antibiotika aufgrund eines Verdachts oder bei falschen Indikationen, zum Beispiel bei Beteiligung von Viren ist nicht sinnvoll. Viele Krankheiten, vor allem im oberen Atmungstrakt (Schnupfen, Husten) sind meist viral bedingt.

– falsche Eingabe
zu niedrige Dosierungen, zu kurze Behandlungsdauer oder die unregelmäßige Einnahme eines Antibiotikums können zum Überleben einzelner Bakterien führen, welche gegenüber diesem Medikament resistent werden.

– Wirkspektrum nicht ausreichend

die Wahl des falschen Antibiotikums ist einerseits nicht hilfreich für den Behandlungserfolg und andererseits führt es zu der Entwicklung von Resistenzen. Deshalb ist die genaue Identifikation des beteiligten Bakteriums notwendig.

Der unbedachte Einsatz dieser Medikamente und der damit verbundenen Resistenzentwicklung führt immer häufiger zur Bildung multiresistenter Bakterien und der damit einhergehenden Wirkungslosigkeit der Antibiotika. Dies ist ein großes und weltweites Problem. Aus diesem Grund werden immer neue Antibiotika entwickelt- diese werden als „Reserveantibiotika“ bezeichnet. Wie der Name schon sagt, ist die Verabreichung dieser Präparate nur nach der Anfertigung eines Antibiogramms und der Wirkungslosigkeit von herkömmlichen Antibiotika erlaubt. So soll eine erneute Resistenzentwicklung verringert werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden:

– Antibiotika sollten NIE prophylaktisch und nur nach Notwendigkeit verabreicht werden.
– Breitband Antibiotika können bei Verschlechterung der Krankheit, bis zur Identifikation des Erregers, verwendet werden.

– die Identifikation der beteiligten Erreger sollte IMMER vorgenommen werden, um die entsprechenden Medikamente gezielt auswählen zu können.

– das Nutzen/Risiko Verhältnis sollte immer VOR der Gabe abgewogen werden.

– bei einigen Krankheiten, bei etwa bei Virusinfektionen, sollte die Therapie NICHT mit einem Antibiotikum beginnen – denn diese wirken NICHT gegen Viren.

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