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Engstellung der Eckzähne im Unterkiefer

Mandibula angusta oder Mikrognathia inferior

Hierbei handelt es sich um eine- meist vererbte- Fehlstellung im Unterkiefer. Diese Veränderung wir großteils bereits im Welpenalter – spätestens bei der Erstimpfung bemerkt.

Was ist eine Mandibula angusta?

Hier sind die Unterkiefereckzähne normal gewinkelt. Der Unterkiefer ist normal lang, aber in seiner gesamten Länge zu eng. Im Unterschied dazu ist bei einer Mikrogenie (Mikrognathia inferior) der Unterkiefer zu kurz und zu eng. Die Verzahnung ist in beiden Fällen korrekt ausgebildet.

Warum ist ein zu enges und/oder zu kurzer Unterkiefer ein Problem?

Bei korrekter Verzahnung liegt der Unterkiefereckzahn bei geschlossenem Kiefer zwischen dem Eckzahn des Oberkiefers und dem 3. Schneidezahn. Ist das Unterkiefer nicht passend zum Oberkiefer dimensioniert, so kann der Unterkiefereckzahn beim Maulschluss zu Verletzungen im Oberkiefer führen- traumatischer Einbiss.

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Der Unterkiefereckzahn trifft zu weit vorne zwischen Oberkiefereckzahn und 3. Schneidezahn auf. Somit „beißt“ er sich beim Kieferschluss ins Zahnfleisch
  • Der Unterkiefereckzahn steht zu weit innen und kommt somit seitlich ganz knapp vor den Oberkiefereckzahn zum Liegen. Hier kommt es in weiterer Folge zur Verschiebung des Oberkiefereckzahnes nach außen (labial) und zu Verletzungen im harten Gaumen.
  • Der Unterkiefereckzahn liegt genau innen neben dem Oberkiefereckzahn. Auch hier kommt es zur Verschiebung des Oberkiefereckzahnes nach außen und zu Verletzungen im harten Gaumen.
  • Der Unterkiefereckzahn liegt bei geschlossenem Maul seitliche hinter dem Oberkiefereckzahn. Hier kommt er zur Verschiebung des Oberkiefereckzahnes nach vorne und zum Einbiss im Oberkiefer.

Handelt es sich hier „nur“ um ein kosmetisches Problem?

Nein, leider nicht. Therapien aus kosmetischen Gründen sind in der Tiermedizin nicht erlaubt.

Was „zwingt“ uns daher dazu, ein solches Gebiss zu korrigieren?

  • Verschiebungen der Nachbarzähne verändern die komplette Situation im Maul. Da jeder zahn seine eigene Position und die dadurch resultierende Aufgabe beim Kauen, Tragen, Beißen, Reißen,…..hat, kommt es bei Fehlstellungen zu Einschränkungen und Fehlbelastungen.
  • Durch Engstellen entstehen Prädilektionsstellen für:
    • Paradontitis
    • Zahnfleischentzündungen
    • Ausbildungen von Zahnfleischtaschen
    • Bereiche, in denen sich Futter- oder Fellreste verhaken
    • Anhaftung von Plaque und Zahnstein wird hier erleichtert
  • Während des Wachstums beeinflussen Hindernisse beim Schließen des Maules das Kieferwachstum negativ.
  • Hemmungen des Oberkiefer- oder Unterkieferwachstums durch einen fehlerhaften Maulschluss verschlechtern das Problem zusätzlich. Diese Wachstumshemmungen können später vom Körper nicht mehr ausgeglichen werden!
    • Hier kann es z.B. passieren, dass der Oberkiefer nicht in seine vorgesehene Länge wachsen kann, wenn sich der Unterkiefereckzahn beim Maulschluss im Oberkiefer verhakt.

Was kann man nun tun, um einen fehlerhaften Biss des Unterkiefers zu behandeln?

  • Extraktion (Entfernung) der „störenden“ Zähne.

Das ist bei Zähnen angezeigt, die für den unproblematischen Biss nicht notwendig sind, oder bei manchen Milchzähnen.

  • Zahnkürzung (Vitalamputation)

Hier wird der Bereich der Zahnspitze ermittelt, die im Oberkiefer den traumatischen Einbiss hervorruft. Dieser wird dann in Narkose eingekürzt und der Zahn bekommt eine Abdichtung und eine Überkappung.

Diese Behandlung wird häufig bei Milcheckzähnen angewendet, die eine Fehlstellung aufweisen. So können diese Zähne bis zum Zahnwechsel erhalten werden und müssen nicht entfernt werden.

Außerdem kann man auf diese Art auch einen frisch (also längstens 24 Stunden) frakturierten Zahn ohne Wurzelbehandlung erhalten.

  • Kieferorthopädische Korrektur- Dehnschraube

Eine Dehnschraube ist die Behandlung der Wahl, wenn die Eckzähne zu steil stehen und „lediglich“ seitwärts nach außen bewegt werden müssen.

  • Das Einbringen der Dehnschraube erfolgt in Narkose.
    • Nach „Aktivierung“ wird die Schraube alle 4 Tage um eine Viertelumdrehung weiter gestellt.
    • Die Tiere haben keinerlei Probleme mit der Dehnschraube. Harte Kauartikel sollten in der Zeit, in der sich die Dehnschraube im Kiefer befindet, nicht angeboten werden.
    • Nach 2 bis 3 Wochen ist die erwünschte Winkelung erreich.
    • Nun kann die Dehnschraube wieder in Narkose entfernt werden.
    • Nach dem Putzen und Polieren der Zähne ist die Therapie abgeschlossen

Bei allen Kieferfehlstellungen ist es wichtig, die notwendigen Korrekturen schnellstmöglich durchzuführen. Im wachsenden Kiefer ist der Aufwand, einen korrekten Maulschluss zu erreichen, um einiges Geringer als im adulten Alter. Schmerzen, Entzündungen und falsches Kauen müssen von Ihrem Hund somit nicht ertragen werden.