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Urolithiasis/ Blasenentzündung bei der Katze

Urolithiasis, Harnwegsobstruktionen und Harnwegsinfekte bei der Katze

Geht Ihre Katze häufig auf die Toilette, ist die Klumpengrösse der Einstreu verändert oder jammert ihre Katze beim Urinabsatz? Oder ist Ihr Liebling vielleicht sogar plötzlich unsauber und uriniert auf die frische Wäsche, die Couch oder den Boden? Finden Sie kleine rote Tröpfchen überall im

Haus oder der Wohnung? Dann sollten Sie mit Ihrem Tier einen Tierarzt aufsuchen, denn das alles kann ein Hinweis auf eine Harnwegserkrankung sein.

Aus verschiedenen Gründen kann es zu Problemen der unteren Harnwege kommen. Einzeln auftretend oder auch in Kombination führen sie zum sogenannten „feline lower urinary tract disease“ oder kurz auch FLUTD genannt.

Die häufigste Form dieser unteren Harnwegserkrankung ist die idiopathische. Das bedeutet, dass die genaue Ursache für das Auftreten nicht bekannt ist. Jedoch wird sie durch zu viel Stress, ein zu hohes Körpergewicht und zu wenig Flüssigkeitsaufnahme begünstigt.

Ergibt die Harnuntersuchung einen völlig gesunden Harn, obwohl es zu vermehrtem Harndrang und immer wieder kehrenden Problemen kommt, ist es wichtig, das Haltungs-Management zu Hause zu überdenken und zu verändern. Eine Stressreduktion für die Katze und eine Fütterung mit „flüssigem“ Futter sollte angedacht werden. Auch eine adäquate Gewichtsreduktion, falls Ihr Liebling ein wenig mehr auf den Rippen hat, sollte geplant werden.

Stressauslöser für die Katze können sein:

  • soziale Spannungen im Mehrkatzen-Haushalt
  • „Besuch“ von fremden Katzen im eigenen Territorium- bei Wohnungskatzen auch, wenn die fremde Katze durch die Tür oder das Fenster blickt
  • Kontakt anderer Katzen bzw fremde und intensive Gerüche
    die fremde Katze muss nicht anwesend sein, es reicht oft der Geruch aus
  • intensive Reinigung der Umgebung
    stressig wird dies vor allem, wenn bei der Reinigung mehr als 30-50% der Gesichtsmarkierung der Katze verschwindet.
  • optische Spots oder plötzliche Veränderungen
    diese können bereits kleine feuchte oder farbveränderte Stellen sein, sowie kleinere Bauarbeiten im Haushalt.
  • allgemeine Frustration
    Hunger, fehlender Kontakt zu Artgenossen oder Mensch, aber auch Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf führen dazu.
  • jahreszeitliche Schwankungen (Winter/Frühjahr)

Weiters kommt es durch Infektionen mit verschieden Erregern zu Entzündungen. Die Nieren, der Harnleiter, die Harnblase und auch der obere Teil der Harnröhre sind bei einer gesunden Katze steril, das bedeutet dort finden sich keine Bakterien.

Der untere Teil der Harnröhre, und die Geschlechtsteile sind mit einer normalen Bakterienflora ausgestattet, die in der Regel harmlos ist. Wird der Körper jedoch zusätzlich durch eine andere Krankheit (Nierenschwäche, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, …) geschwächt, kann es zu einer Überwucherung dieser Bakterien kommen und es entsteht eine Entzündung. Aber nicht nur Bakterien können einige Probleme hervorrufen, auch Viren sind mitunter beteiligt.

Durch die Entzündung kommt es auch häufig zur Bildung eines Pfropfens. Dieser ist ein Gemisch aus Bakterien, Zellen und Entzündungsmaterial, welcher in den meisten Fällen selbstständig ausgeschieden wird und nur in sehr seltenen Fällen zu einer Verlegung (Obstruktion) der abführenden Harnwege führt.

Ein weiterer Grund für Probleme im unteren Harntrakt stellen Kristalle dar, die, wenn sie nicht behandelt werden, sich zu einem größeren Stein zusammenlegen und so gerne auch zu einer Verlegung (Obstruktion) führen.

Die Bildung der Kristalle ist von mehreren Faktoren abhängig:

  • ph-Wert des Harns
    Der normale pH-Wert des Harns bei Fleischfressern liegt im leicht sauren (5-6) Bereich. Zu einer Änderung kann es durch verschiedene Faktoren kommen
    – Bakterien im Harn
    – pflanzliches Futter
    – Stoffwechselstörungen
  • glomeruläre Filtrationsrate (GFR) der Niere
    Die GFR gibt die Menge an Blut an, welche in einer gewissen Zeit von den Nieren gereinigt (filtriert) wird.
  • Flüssigkeitsstatus des Tieres
    wird viel Wasser über den Tag aufgenommen, arbeiten die Nieren mehr und befördern die Stoffe besser aus dem Körper.
    Daher ist es wichtig, dass eine regelmäßige und gute Wasseraufnahme gegeben ist.

Es gibt verschiedene Arten von Kristallen.

  1. Struvit
    Die häufigste Form bei der Katze ist der Magnesium-Ammonium-Phosphat Kristall, auch als Struvit bekannt. Dieser bildet sich, wenn der pH-Wert des Harns in den basischen (8-9) Bereich kommt.
  2. Calciumoxalat
    Dieser ist die zweit häufigste Kristallform bei der Katze. Der Grund für dessen Entstehung ist nicht ganz geklärt, jedoch ist bekannt, dass die Fütterung und das Trinkverhalten eine wesentliche Rolle bei der Entstehung spielen. Auch eine Rasseprädisposition besteht, so leiden Burma, Himalaya und Perserkatzen häufiger an diesem Problem als andere.

Ein weiterer Grund für Probleme der unteren Harnwege ist die Kombination aus einer Entzündung und Kristallen. Kommt so etwas vor, bilden sich häufig Matrix-Kristall Pfropfen. Diese sind ein Gemisch aus Entzündungszellen und Kristallen, die bei langem Bestehen so groß werden, dass die harnableitenden Wege verstopfen können. Obwohl Kater und Katzen gleichermaßen gefährdet sind, leiden vor allem männliche Tiere daran, da die Harnröhre anatomisch enger ist als bei weiblichen Tieren.

Diese Verlegungen (Obstruktionen) haben unbehandelt schwere Auswirkungen und führen, wenn sie länger als 3-6 Tage andauern zum Tod des Tieres. Es kommt zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust, die Nieren können nicht mehr richtig arbeiten und Giftstoffe sammeln sich im Körper an. Weiters kommt es zu einer Verschiebung der Elektrolyte wie Kalium, Natrium, … welche wiederum zu körperlichen Problemen führen (akuter Herzstillstand ist hier leider keine Seltenheit).

Wie erkenne ich, dass meine Katzer oder mein Kater eine Problematik der Harnwege hat?

Die Symptome sind zu Beginn der Krankheit eher unspezifisch, werden mit der Dauer aber immer eindeutiger.

  • Harndrang
    Die Katzen gehen häufig aufs Kisterl ohne viel Harn abzusetzen. Teilweise werden auch Schmerzlaute abgegeben.
  • Inkontinenz und Unsauberkeit
    Harntropfen oder auch „Pfützen“ werden außerhalb des Katzenklos abgesetzt
  • Blut im Harn (Hämaturie)
    Je nach Grundursache der Krankheit, kommt es auch zur Beimengung von Blut im Harn.
  • Veränderungen im Geruch und der Farbe
    stinkender und trüber Harn können einen Hinweis auf eine Blasenkrankheit geben
  • Erbrechen und Fressunlust
    besteht eine Verlegung über längere Tage, kann es durch die Ansammlung der Giftstoffe im Blut zu Erbrechen kommen

Wie wird die Diagnose gestellt und welche Behandlung erfolgt dann?

Zuerst werden Ihnen viele Fragen über des Harnabsatz Ihres Lieblings gestellt. Dann erfolgt die genaue klinische Untersuchung und weitere Tests. Wichtig für die Stellung der Diagnose ist die Untersuchung des Harns.

Dafür wird ihrem Tier ein wenig Harn aus der Blase mit einer dünnen Nadel entnommen und dieser untersucht (keine Angst, das tut gar nicht weh 😊 ). Der ph-Wert, Beimengung von Blut oder Bakterien, die Konzentrationsfähigkeit der Nieren und eine mikroskopische Untersuchung auf etwaige Bestandteile (bsp Kristalle, Bakterien, Schleimhautzllen) werden durchgeführt.

Oft ist eine Röntgen- oder Ultraschall Untersuchung notwendig, um weitere Steine oder Verlegungen zu finden. Steine über 3mm lassen sich im Röntgen gut darstellen. Es ist besonders wichtig, herauszufinden, wo, wie viele und wie groß die Steine sind.Kleinere Steine werden im Ultraschall diagnostiziert.

Besteht die Problematik schon länger oder tritt sie immer wieder auf, ist es auch notwendig, einige Blutwerte zu kontrollieren.

Wenn die genaue Ursache festgestellt wurde, wird eine adäquate Therapie eingeleitet.

Diese besteht je nach Grund aus:

  • Steigerung der Wasseraufnahme
    durch eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr, kommt es auch zu einem erhöhten Urinvolumen und zur besseren Ausschwemmung der Stoffe
  • Futterumstellung
    die Zusammensetzung des Futters spielt eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Kristalle. Daher ist es bei einer Problematik wichtig, entsprechendes Futter zu geben, welches die weitere Bildung verhindert.
  • Ansäuerung des Harns
    handelt es sich um eine Kristallurie (Kristalle im Harn) können diese teilweise durch Erniedrigung des ph-Wertes aufgelöst werden. So ist es möglich, Struvit Kristalle innerhalb kurzer Zeit aufzulösen
  • chirurgische Entfernung
    Einige Kristallformen, aber vor allem größere Steine können nicht aufgelöst werden und müssen mittels einer Operation entfernt werden.
  • Katheterisierung der Blase
    steckt ein Stein in der Harnröhre, ist es wichtig, diesen so schnell als möglich zu Entfernen. Dies ist häufig mittels eines Katheters möglich. In einer Narkose wird der Katheter in die Harnröhre eingebracht und die Blase mehrmals täglich gespült. Oft muss der Katheter über ein paar Tage bestehen bleiben, bis die Krankheit unter Kontrolle gebracht wird. Außerdem erhalten die Tiere Infusionen über Venenkatheter, um die Nieren zu entlasten.

Diese Behandlung kann nur mittels eines stationären Aufenthaltes erfolgen (meist 3-5 Tage).

  • intravenöse Infusionen
    Da es bei Verlegungen oft zu Verschiebungen im Blut kommt, muss eine Flüssigkeitszufuhr und die medikamentöse Behandlung mittels Infusionen durchgeführt werden.

Wird die Problematik früh erkannt und therapiert, sind die Auswirkungen häufig reversibel. Dennoch ist es wichtig, auch nach überstandener Krankheit regelmäßig den Harn untersuchen zu lassen, um einen Rückfall zu vermeiden.

Stationärer Aufenthalt ist unumgänglich