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Blausäure Vergiftungen beim Tier

Was ist Blausäure?

Blausäure (Cyanwasserstoff) oder deren Salze (Cyanide) sind hochgiftige Stoffe, welche für Mensch und Tier mit einer Menge von 1-2mg Blausäure pro kg Körpergewicht bereits tödlich sein können.

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In ihrer reinen Form ist Blausäure eine farblose bis leicht gelbliche, wasserlösliche Flüssigkeit, die leicht brennbar und sehr flüchtig ist. Das bedeutet, sie verdampft bei Raumtemperatur sehr schnell. Ihr Geruch erinnert an bittere Mandeln, doch kann dieser nicht von jedem wahrgenommen werden.

Die Aufnahme kann entweder direkt als „Nahrung“, über die Atemwege oder auch über die Haut erfolgen.

Wie wirkt sie?

Da Blausäure eine gut lösliche Substanz ist, dringt sie sehr schnell durch biologische Membranen hindurch. So kommt es bereits nach wenigen Sekunden bis Stunden, je nach aufgenommener Menge und Form der Blausäure, zu Vergiftungssymptomen.

Welche Symptome sind zu erwarten?

Wir haben zur Veranschaulichung der Symptome ein Video für Sie vorbereitet. Dieses ist aber nicht für zartbesaitete Gemüter zu empfehlen. Falls Sie sich dazu entscheiden, das Video anzusehen, beachten Sie bitte, dass der Patient keinerlei Schmerzen verspürt.

Reizungen bis hin zu Verätzungen der Schleimhäute im Atmungs- und Magendarmtrakt treten auf. Niesen, Husten, vermehrtes Speicheln und Röcheln treten auf. Außerdem werden durch die chemischen Verbindungen die Prozesse der Zellatmung gehemmt. In den komplexen Abläufen wird kein Sauerstoff mehr aufgenommen und es kommt zum „inneren Ersticken“. Es kann keine Energie mehr für die diversen Zellabläufe produziert werden und die Zellen werden geschädigt. In weiterer Folge sterben vor allem die Nervenzellen des Atemzentrums ab und der Körper kann keinen Gasaustausch mehr vornehmen und den Sauerstoff verwerten. Dies führt dann zum Tod durch Ersticken.

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Wo ist Blausäure enthalten?

Cyanide werden in der Industrie häufig als Vorprodukte oder Prozessstoffe verwendet. Auch als Abfallprodukt fallen sie zum Beispiel bei der Verbrennung vom Plastik an oder werden als Trägersubstanz für die Herstellung von Schädlingsbekämpfungsmitteln verwendet.

Außerdem kommen sie auch in der Natur vor. Viele Pflanzenarten enthalten unterschiedliche Blausäure-Verbindungen, die je nach Verbindung und enthaltenem Gehalt eine unterschiedliche Toxizität aufweisen. Bereits bis zu 1000 Arten sind bekannt. Die enthaltene Blausäure dient den Pflanzen als Fraßschutz – da sie bitter schmeckt, aber auch aus Hemmer für weitere Keimung.

Blausäure findet sich in:

  • Kirschlorbeer
  • Rosengewächse
  • Yamswurzel
  • Süsskartoffel (gewisse Sorten)
  • Zuckerhirse
  • Bambus
    unreife Bambussprossen enthalten einen hohen Gehalt an Blausäure die durch Kochen abgespalten und in die Luft abgegeben wird
  • Leinsamen
  • Limabohne
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Auch die Kerne vieler Steinfrüchte enthalten unterschiedliche Cyanverbindungen:

  • Bittermandeln
  • Pfirsiche
  • Marillen
  • Zwetschken
  • Kirschen

Wie kommt es zu Vergiftungen?

In erster Linie vergiften sich unsere Haustiere durch die direkte Einnahme von Pflanzenteilen oder Früchten mitsamt deren Kerne. Da vor allem die Kerne der süsslich schmeckenden Früchte nicht zerbissen werden, kommt der bittere Geschmack nicht zum Vorschein und dient somit nicht als „Abschreckung“.

Nach der Aufnahme werden die Cyanverbindung durch verschiedene Enzyme im Körper aufgespalten und entfalten ihre giftige Wirkung.

Weiters können Blausäureverbindungen über den Atmungstrakt durch die Luft aufgenommen werden, sowie über Kontakt mit der Haut. Diese Möglichkeiten bestehen vor allem durch die Industrie. Verunreinigte Abwässer, Rauchvergiftungen bei der Verbrennung vom Plastik oder auch durch Mittel für die Schädlingsbekämpfung stellen eine potentielle Gefahr dar.

Wie sind die Symptome?

Die Symptome können je nach aufgenommener Menge und chemischer Verbindung leichter oder schwerwiegender ausfallen.

  • Erregungen bis hin zu starken Krämpfen
  • Überstreckung des Kopfes nach hinten
  • Zittern und plötzlicher Kollaps bis hin zum Schock
  • Speicheln und Erbrechen
  • Atemnot, schnelle Atmung bis hin zu Schnappatmung
  • Herzarrhythmien

Wie ist die Therapie?

Es ist sehr wichtig, dass eine Therapie schnell nach der Aufnahme eingeleitet wird.

Das bedeutet, wurden Blausäurehaltige Substanzen gefressen und es bestehen nicht bereits starke Symptome, sollte das Tier zum Erbrechen gebracht werden. Finden sich diese Substanzen auf der Haut bzw Fell, sollte dieses geschoren bzw gewaschen werden.

Treten bereits Symptome auf oder liegt die Aufnahme mehrere Stunden bzw Tage zurück, muss je nach Schweregrad therapiert werden.

Wichtig ist, dass der Kreislauf stabilisiert wird, dies geschieht meist mit intensiven Infusionen. Bei Atemproblemen und Krampfanfällen müssen diese gezielt behandelt werden. Es kann versucht werden, mit Kohle und anderen Medikamenten das „Gift“ zu binden und zu neutralisieren. Jedenfalls ist eine schnelle Therapie wichtig, um einen schweren Verlauf vorzubeugen. Eine intensivmedizinische Behandlung mit äußerst ungewissem Ausgang ist hier leider unumgänglich.

Wie kann ich einer Vergiftung vorbeugen?

Lassen Sie Ihr Tier nicht unbeaufsichtigt im Obstgarten/Garten herumlaufen und unkontrolliert Pflanzen bzw Früchte fressen. Räumen Sie diese weg oder versuchen Sie, die Aufnahme zu verhindern. Dies kann entweder durch kontrollierten Gartengang mit Ihnen zusammen, eventuell sogar an der Leine (da ist man als Besitzer schneller =)!) oder im Alleingang mit einem adäquaten Maulkorb erfolgen.