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Vestibularsyndrom beim alten Hund

Nystagmus – Augenrollen beim Hund oder Katze

Vestibularsyndrom beim Hund

Das Vestibularsyndrom ist eine Krankheit, die das Gleichgewichtsorgan, also den Vestibularapparat im Ohr betrifft. Dieser sitzt im Innenohr und ist für die gezielte Koordination zwischen der Körperhaltung, der Augenposition und der damit einhergehenden korrekten Kopfhaltung zuständig.

Die, durch das Gleichgewichtsorgan aufgenommenen Sinneswahrnehmungen, werden über verschiedene Nervenbahnen zum Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet, sodass es normalerweise zu einer korrekten Körper- und Kopfhaltung kommt. Liegt ein Problem in diesem System vor, kann der Körper seine Position im Raum nicht mehr erkennen und so kommt es dann zu den entsprechenden Symptomen.

Diese können durch verschieden Ursachen hervorgerufen und in zwei Gruppen eingeteilt werden, mit teils unterschiedlichen Symptomausprägungen.

1.) zentrales Vestibularsyndrom
beim zentralen Syndrom liegt eine Veränderung im Hirnstamm und/oder im Kleinhirn vor. Es kommt vor allem zu Störungen im Bewusstsein. Weiter können Lähmungen an einer Körperseite auftreten, sowie Defizite in der Haltungskorrektur des Körpers. Ist das Kleinhirn betroffen, wird oft  ein schwankender Gang (Ataxie) beobachtet.

2.) peripheres Vestibularsyndrom

hier kommt es zu einer Beteiligung des Innenohrs und des 8. Gehirnnervens (Nervus vestibulocochlearis), welcher für den Hör- und Gleichgewichtssinn verantwortlich ist. Eine Veränderung im Bewusstsein ist beim peripheren Syndrom nicht zu sehen.

Welche Symptome sind bei einem Vestibularsyndrom zu sehen?

  • Gleichgewichtsstörungen mit schwankendem Gang
  • Kopfschiefhaltung
    durch das gestörte Gleichgewicht kommt es zur Kopfschiefhaltung, die sich soweit verschlimmern kann, dass mache Hunde sogar zu Rollen beginnen und eine starke Tendenz zum Umfallen entwickeln.
  • Augenzittern (Nystagmus)
    je nach betroffener Region kann es zu einem waagrechten (horizontalem) Nystagmus (peripher) oder einem senkrechtem (vertikalen) Nystagmus (zentral) kommen.
  • Schielen (Strabismus)
    durch Veränderungen im Gleichgewichtsorgan kann die Position der Augen nicht mehr aufrechterhalten werden.
  • gestörtes Bewusstsein
  • Lähmungen und Defizite in der Haltungskorrektur
  • Übelkeit und Erbrechen
    führen weiters zu Fress- und Trinkunlust
  • Nervosität, Unruhe und Verwirrtheit
    durch den Ausfall des Gleichgewichtsorganes ist sich der Körper seiner Position im Raum nicht mehr bewusst, das heißt, er weiß nicht wo oben und unten ist. Das sorgt bei dem Patienten natürlich für Unruhe und Nervosität, welche die Symptome wiederum verschlimmern.
  • Kopfnervenausfälle

Welche Ursachen können dahinterstecken?

Eine Veränderung im Gleichgewichtsorgan kann durch verschiedene Gründe hervorgerufen werden.

  • Gefäßveränderung
    Blutungen im Gehirn oder im Kopf treten nur selten ohne vorangegangenes Trauma auf.
  • Trauma
    Durch Verletzungen des Schädels können Symptome auftreten.
  • Entzündungen
    Entzündungen des Innen- oder Mittelohres können zur Störung des Gleichgewichtsorganes führen. Hunderassen, welche für diese Ursache empfänglich sind, sind vor allem der Cockerspaniel und der Deutsche Schäferhund.
  • Infektionen
    Eine Infektion mit dem Staupevirus kann zu einer Gehirnentzündung führen und so auch neurologische Symptome hervorrufen.
  • angeborene Anomalien
    angeborene Veränderungen im Gleichgewichtsorgan kommen selten vor. Betroffene Rassen sind der Dobermann, der Deutsche Schäferhund, der Cockerspaniel und der Akita. Hierbei zeigen sich aber bereits im Welpenalter neurologische Symptome. Oft sind diese Hunde auch auf einer oder beiden Seiten taub. Eine Behandlung kann hier nur symptomatisch erfolgen.
  • Medikamente
    Einige Medikamente sind in der Lage den 8. Hirnnerv, das Gehör und den Vestibularapparat irreversible zu schädigen. Daher sollte vor der Gabe immer die Notwendigkeit abgewogen werden.
  • Stoffwechselkrankheiten
    Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich in ähnlichen Symptomen wie die eines Vestibularsyndroms manifestieren.
  • Tumore
    Verschiedene Arten von Tumoren können im Gehirn Probleme verursachen und so zu neurologischen Symptomen führen.

Was hat es mit dem geriatrischen Vestibularsyndrom auf sich?

Das geriatrische Vestibularsyndrom tritt vor allem bei größeren Hunderassen ab einem Alter von 8 Jahren auf. Leider ist die Ursache bis heute nicht geklärt, jedoch weiß man, dass es sich hierbei nicht um einen Schlaganfall handelt, da es zu keinen Gefäßveränderungen kommt.

Die Krankheit tritt meist plötzlich und mit teils heftigen Symptomen auf, sodass sie sehr beängstigend wirken kann.

Die häufigsten Symptome sind dabei:

  • akute Kopfschiefhaltung
  • schwankender Gang und teils Unfähigkeit zu Gehen/Stehen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Fressunlust
  • Augenzittern
  • Verwirrtheit und Unruhe

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Vorgeschichte (Anamese) des plötzlichen Auftretens und das Alter des Patienten können einen Hinweis geben. Letztlich beruht die Diagnose aber auf einem Ausschlussverfahren. Das bedeutet, dass alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden müssen, bevor die endgültige Diagnose gestellt wird. Dafür ist jedenfalls ein Blutbild notwendig. Mit einem Röntgen des Kopfes, können etwaige Brüche diagnostiziert werden, jedoch ist oft eine CT oder eine MRT notwendig, wenn es um die Strukturen im Gehirn geht.

Wie erfolgt die Therapie?

Ist die Diagnose eines geriatrischen Vestibularsyndroms gestellt, wird eine Therapie veranlasst. Diese kann, da die genaue Ursache hierfür nicht bekannt ist, nur symptomatisch erfolgen.

  • Medikamente
    Bei einer Beeinträchtigung des Gleichgewichtsorganes kommt es immer zu Übelkeit. Daher ist es wichtig diese zu verhindern.
    Viele Hunde werden sehr nervös, da der Gleichgewichtssinn stark beeinträchtigt ist (wie auf hoher See). Daher kann es hilfreich sein, diesen Tieren ein leichtes Beruhigungsmittel zu verabreichen.
  • Infusionen
    um den Flüssigkeitshaushalt aufrecht zu erhalten kann es notwendig sein, Infusion zu verabreichen.
  • Fütterung mit der Hand
    viele Hunde wollen und können auch gar nicht mehr das Futter aufnehmen und müssen per Hand oder über Sonden gefüttert werden.
  • ruhige und dunkle Umgebung
    Stress und Helligkeit können die Symptome verstärken, daher ist es wichtig eine ruhige, dunkle, warme und weiche Umgebung für den Patienten zu schaffen.

Wie ist die Prognose für den alten Hund? In der Regel kommt es zu einer Verbesserung der Symptome nach ca. 3 Tagen. Während dieser Zeit ist der Patient ein „Pflegefall“, der eine intensive Betreuung braucht. Meist heilt die Krankheit nach 2-3 Wochen, manchmal auch etwas länger von alleine ab. Eine leichte Kopfschiefhaltung kann auch nach der Genesung noch als einziges Symptom bestehen bleiben.